Das Projekt
Russland HEUTE ist ein Teil des globalen Medienprojektes von Russia
Beyond the Headlines, das monatliche Beilagen weltweit in namhaften
Tageszeitungen produziert. Ab Dezember 2010 erscheint Russland HEUTE
immer am 1. Mittwoch des Monats als Beilage in der Süddeutschen Zeitung.
Ziel unseres Projektes ist es, das heutige Russland in all seinen Facetten zu
präsentieren und das Land, seine Leute und die Stimmung in der
Gesellschaft zu zeigen. So, wie es die Leser der internationalen Zeitungen
vielleicht nocht nicht kennen, weil oft die nachrichtliche Aktualität im
Vordergrund steht und wenig Platz ist für russlandspezifische Themen.
Das Team
Die Menschen hinter Russia Beyond The Headlines:
40 Mitarbeiter – Länder- und Fotoredakteure, Layouter, Gestalter – produzieren von Moskau aus
elf Beilagen in acht Sprachen. Die meisten Kollegen sind jünger als 30 Jahre. Alle haben in dem
Land, über das sie ihre Beilage produzieren, jahrelang gelebt und studiert.
Die Autoren
Die Beiträge in Russland HEUTE kommen aus drei Quellen:
1. von den Länderredakteuren von Russia Beyond The Headlines
2. von den freien Autoren, unabhängigen Journalisten und Korrespondenten,
die in Russland leben und arbeiten
3. aus russischen Medien, darunter Tageszeitungen, Magazinen und
Presseagenturen wie z.B. Kommersant, Vedomosti, Russkij Reportjor oder
RIA Novosti.
Zu Hause in Moskau
Nora FitzgeraldCentral Desk Redakteurin,
Washington D.C.
Ich erinnere mich genau an meine Berliner Wohnung in den letzten Tagen
meines Aufenthalts in Deutschland. Sie war so leer, dass die Namen meiner
Kinder zurückhallten, wenn ich sie rief. Es kam mir unfair vor, diesen Ort
verlassen zu müssen: Ich hatte viele wundervolle Menschen getroffen wie
den Schriftsteller Ingo Schulze. Sein erster Roman half mir, die alltäglichen
Brüche und den Heilungsprozess Deutschlands nach der Wende zu
verstehen. Und ich bekam kalte Füße wegen des bevorstehenden Umzuges
nach Russland. Sechs Jahre ist das nun her, und heute vermisse ich Moskau
so sehr wie einst Berlin.
Auf eine unerklärliche Weise wurde die Stadt für mich zu einem Zuhause. Ich lernte eine Romantik, Vertraulichkeit und Offenheit kennen, die man außerhalb des Landes gar nicht wahrnimmt. Als ich wieder in Washington war, fühlte ich mich fremd, mehr als je zuvor. Ich hatte aus Warschau, Berlin und Moskau für alle großen amerikanischen Blätter geschrieben. Nun suchte ich eine neue Herausforderung. Und ich fand sie. Die Washington Post brauchte jemanden, der eine neue Russlandbeilage namens „Russia Now“ mitredigieren sollte. Ich befürchtete, die russischen Redakteure wollten über ein „Russland wie wir es gerne sehen“ schreiben, und nicht über das bewegende Land im Umbruch, das ich lieben gelernt hatte. Doch bald wurde mir klar, dass aus dem Projekt eine faszinierende Diskussionsplattform für Meinungsmacher, Intellektuelle und Russland- Experten werden könnte. Und ich könnte es formen. Wir haben mutige Reportagen gemacht: über russische Gefängnisse, über Waisenkinder und Drogentransporte aus Afghanistan, über „Monostädte“ und eine sich aufrappelnde Wirtschaft.
Als wir in der Washington Post anfingen, gab es erst drei Beilagen. Heute sind es elf, und wir freuen uns, dass die Süddeutsche Zeitung dazukommt. Das setzt unsere Messlatte höher und bestärkt uns in unserem Ziel: Wie Ingo Schulze wollen wir „simple stories“ erzählen, über das Land und seine Leute. Wir hoffen, dass schon diese erste Ausgabe bei Ihnen ein etwas anderes Russland-Gefühl hinterlassen wird.
Der Verlag
Das Projekt Russia Beyond The Headlines ist als eine Inititiative innerhalb der Rossijskaja Gaseta entstanden.
Die Resonanz
Die Idee für Russland HEUTE ist innerhalb der Rossijskaja Gaseta – der größten überregionalen Tageszeitung Russlands – entstanden. Russland HEUTE ist keine Image-Kampagne, keine PR, keine Länderwerbung, keine Propaganda und keine Public Diplomacy.
„Es ist ein Wandel, den Russland durchmacht“
Russland HEUTE fragt seinen Herausgeber, was die Beilage ist, was sie will und was sie in der Süddeutschen Zeitung macht.
Herr Abow, die Schlüsselfrage zuerst: Wer finanziert dieses Projekt?
Das Projekt wird aus dem Budget der Rossijskaja Gaseta fi nanziert, das im Staatshaushalt permanent festgesetzt ist, weil die Rossijskaja das amtliche Bekanntmachungsblatt für Gesetze, Regierungsbeschlüsse und Präsidialerlässe ist.
Mit anderen Worten – die Regierung. Wie haben denn die anderen internationalen Zeitungen auf die Beilage reagiert?
Die Reaktion war immer gleich: Sie fürchteten, sie würden in eine Аffäre hineingezogen, durch die der Kreml seine Propaganda in ihre Zeitungen durchschleusen will.
Ist Russland Heute etwa keine Propaganda?
Nein, wir machen Journalismus. Und im Qualitätsjournalismus haben Propaganda und Einseitigkeit keinen Platz. Wir erörtern von verschiedenen Seiten, zeigen unterschiedliche Meinungen und drängen keine Standpunkte auf. Wir bringen die Informationen über Russland, die am ausländischen Leser – wie wir glauben – vorbeigehen. Damit wollen wir die Russland-Thematik in der ausländischen Presse vertiefen.
Genau das macht der staatliche TV- Sender Russia Today aber auch…
RT macht Nachrichten, wie CNN. Wir machen hintergrundstarke Russland-Berichterstattung. RT zeigt internationale Ereignisse aus russischer Sicht. Wir zeigen in- terne Ereignisse aus internatio- naler, wie aus unserer Sicht.
Glauben Sie, deutsche Leser wissen zu wenig über Russland?
Unter den internationalen Lesern sind die deutschen über die Ereignisse in Russland wahrschein- lich am besten informiert. In Russland arbeiten meines Wissens fast 40 deutsche Auslandskorrespondenten, freie Journalisten nicht mitgezählt. Das spornt an.
Was wollen Sie einem SZ-Leser dann noch erzählen?
Wir wollen mehr über Russland schreiben, und zwar aus der Sicht der Menschen, die dieses Land von Innen her kennen.
Wen meinen Sie damit?
Unsere Autoren, alles professio- nelle Journalisten führender und unabhängiger russischer Medien – wie beispielsweise Vedomosti, The Moscow Times, Kommersant, gazeta.ru. Auch schreiben für uns Korrespondenten englischer, italieniescher, französischer und amerikanischer Printmedien. Jetzt, da wir in der SZ erscheinen, wollen wir natürlich deutsche Autoren für uns gewinnen.
Und sie glauben wirklich, dass der SZ-Leser sich für Russland interes- siert?
Wie die Erfahrung zeigt, sind Russland-Informationen international doch sehr gefragt. Das Land verändert sich sehr schnell, die Anpassungsprozesse sind entsprechend heftig. Es ist ja auch ein dramatischer Wandel, den das Land gerade durchmacht. In einem Jahr legt Russland einen Weg zurück, für den Deutschland wahrscheinlich ein Jahrzehnt brauchte. Selbstverständlich rechnen wir damit, dass die Hintergründe dieser rasanten Trans- formationen den Leser interessieren.
Wird ihre Arbeit „von oben“ über- wacht?
Derzeit nur „von unten“: Zwei Mal im Jahr lassen wir Leserumfragen durchführen. Sollte sich herausstellen, dass wir beim deutschen Leser kein Interesse wecken konnten, würden wir Russland HEUTE einstellen. Bis jetzt ist es jedoch in keinem Land so weit gekommen.
Die letzte Frage: Werden sie nun im Kreml gelesen?
Vor Kurzem hat unser Generaldirektor die Beilagen Dmitri Medwedjew gezeigt. Der Präsident war
sehr erstaunt. Er wusste nicht,
dass wir monatlich erscheinen. Er
surfte ein wenig auf unserer Webseite und fügte sie seinen Favoriten hinzu. Wir haben also mindestens einen Leser im Kreml
(lacht).
Russland HEUTE ist eine Beilage, die durch Journalismus aus Russland über Russland berichtet – und zwar auf Deutsch. Dadurch soll das Interesse für den Wandel in Russland geweckt werden.
Das schreiben andere Medien über Russland HEUTE:
Gute Nachrichten aus dem gelobten Land
Spiegel ONLINE, 24. Februar 2011
Zwischen Propaganda und Putin-Kritik: Mit einer PR- Offensive will Russland sein ramponiertes Image aufpolieren. Der Kreml lässt in Moskau ein Monatsmagazin herstellen und legt es weltweit renommierten Zeitungen bei - auch deutsche Leser sollen sich von dem Werbe-Heft verführen lassen.
Was denken Sie über Russland HEUTE? Worüber würden Sie gern in Russland HEUTE lesen?
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